Mittwoch, 03.06.2026

Zwei Karpatenluchse in Nürnberg geboren und derzeit von der Mutter behütet

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Im Tiergarten der Stadt Nürnberg sind vor wenigen Wochen zwei Karpatenluchs-Junge zur Welt gekommen. Die Mutter, Desari, zieht die erst wenige Wochen alten Tiere derzeit in einer Felsnische groß, weshalb sie sich nur selten den Besucherinnen und Besuchern zeigen.

Geburt und erste Wochen

Bei der Geburt sind Luchse noch blind und wiegen etwa 250 bis 300 Gramm. Die Jungtiere verbringen die ersten Wochen im Versteck und werden von ihrer Mutter gesäugt. Das Geschlecht der beiden ist bislang nicht bekannt, um die Aufzucht nicht zu stören. Vater der Neugeborenen ist der vierjährige Kuder Sitka, der im April 2025 aus dem belgischen Zoo Monde Sauvage nach Nürnberg kam. Sein Transfer erfolgte im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms des Europäischen Zooverbands EAZA, dem sogenannten EEP.

Anlage, Fütterung und mögliche Auswilderung

Die Luchs-Anlage im Tiergarten umfasst etwa 1850 Quadratmeter, ist strukturiert und bewaldet. Sie bietet den Tieren zahlreiche Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten, was für die Aufzucht von Vorteil ist. Während der Aufzucht erhalten die Luchse Rehe als Nahrung. Die Tiere stammen vom Forstbetrieb Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten und werden bei regulärer, nachhaltiger Jagdausübung im Reichswald gewonnen. Die gezielte Fütterung mit natürlicher Beute soll Fehlprägungen auf andere Beutetiere verhindern.

Ob eines oder beide Jungtiere in diesem Jahr ausgewildert werden oder im Rahmen des EEP weiter gezüchtet werden, ist noch offen. Die Entscheidung richtet sich nach dem Zuchterfolg im EEP und den Bedarfen der beteiligten Projekte und Programme.

Aufgaben des Zoos in Schutzprogrammen

Der Tiergarten beteiligt sich über die Haltung hinaus an Schutzmaßnahmen für den Karpatenluchs. Er ist Mitglied im Species Committee des EEP und im internationalen Netzwerk Linking Lynx, das sich mit Erhalt, Monitoring und Management des Karpatenluchses beschäftigt. Nach Angaben der Leitung trägt die erfolgreiche Aufzucht mehrerer Jahrgänge in Folge zur Wiederansiedlung und zum Erhalt dieser größten Katze Europas bei.

Verbreitung und Gefährdung

Der Eurasische Luchs ist in großen Teilen Europas verschwunden und in mehreren Ländern auf nationalen Roten Listen als stark gefährdet beziehungsweise vom Aussterben bedroht verzeichnet. In Deutschland galt die Art bis ins späte 20. Jahrhundert als ausgestorben. Ende 2020 gab es nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz wieder rund 190 wildlebende Eurasische Luchse in Deutschland. Die größten Vorkommen liegen im Harz, dem Bayerischen Wald und seit Wiederansiedlungsmaßnahmen im Pfälzerwald. In den Harzpopulationen sind die Tiere unter anderem auf Auswilderungen aus Zoos und Wildparks zurückzuführen, die Anfang der 2000er Jahre stattfanden.

Der Luchs ist die größte Katze Europas und zählt zusammen mit Wolf und Bär zu den drei großen landlebenden Beutegreifern Mitteleuropas. Charakteristisch sind die Haarpinsel an den Ohren und der kurze Schwanz. Luchse leben überwiegend in Wäldern und sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv.

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