Freitag, 30.01.2026

Nürnberg beauftragt Generalübernehmer für Ausbau der Kongresshalle zu Kulturstandort

Empfohlen

redaktion
redaktionhttps://nuernberger-wochenblatt.de
Alles Wichtige aus Nürnberg und Umgebung, Woche für Woche

Der Stadtrat von Nürnberg hat am 28. Januar 2026 mehrheitlich die Vergabe des Ausbaus der Kongresshalle an die Georg Reisch GmbH & Co. KG, Bad Saulgau, beschlossen. Grundlage des Angebots ist ein Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros LRO GmbH & Co. KG. Die Entscheidung legt den Fahrplan für die Umwandlung des hufeisenförmigen Rohbaus auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in einen Ort für Kunst, Kultur und Theater fest.

Vergabe, Umfang und Zeitplan

Bereits am 7. Mai 2025 hatte der Stadtrat beschlossen, den Ausbau der Kongresshalle an einen Generalübernehmer zu vergeben. Das Vergabeverfahren fasst Planung und Bauausführung in einem Auftrag zusammen statt sie auf einzelne Disziplinen und Gewerke zu verteilen. Gegenstand ist vor allem der Ausbau von vier Sektoren des Rundbaus zu sogenannten Ermöglichungsräumen für die Freien Szenen und von sechs Sektoren zur Nutzung als Spielstätte des Staatstheaters Nürnberg.

Im Innenhof entsteht parallel ein Ergänzungsbau, der die Hauptbühne, den Orchestergraben, einen Orchesterprobenraum und einen Zuschauerraum für 800 Personen aufnehmen soll. Dieser Neubau ist als unselbständiges Gebäude geplant. Damit die Spielstätte des Staatstheaters planmäßig Ende 2028 eröffnen kann, müssen Neubau und Bestandsausbau fertiggestellt werden.

Architektur, Denkmalpflege und Barrierefreiheit

Der gezeigte Entwurf legt Wert auf einen zurückhaltenden Umgang mit dem historischen Rohbau und berücksichtigt sowohl Denkmalaspekte als auch funktionale Anforderungen. Zwischen den Segmenten des Rundbaus sind durchsichtige Stahlglas-Elemente vorgesehen, die Trennung und Durchlässigkeit verbinden. Einbauten sollen so gestaltet werden, dass der vorhandene Raumeindruck erhalten bleibt.

Als verbindendes Motiv übernehmen die Planer dezente Elemente aus dem Neubau, etwa Beleuchtungskörper und runde Messingreflektoren. Wände und Decken im historischen Bestand sollen gereinigt, aber nicht neu verputzt oder übermalt werden. Technische Installationen werden sichtbar, aber geordnet geführt. Raumakustische Maßnahmen sind in zurückhaltender Form vorgesehen.

Für barrierefreien Zugang sind Aufzüge geplant, die vor den historischen Treppenhäusern angeordnet und mit Windfängen kombiniert werden. Im Arkadengeschoss sollen die Aufzugverkleidungen aus poliertem Edelstahl spiegelnde Effekte zum historischen Bestand erzeugen. Außerdem werden neue, sicher begehbare barrierefreie Böden eingebaut.

Oberbürgermeister Marcus König bewertete die Vergabe als Schritt hin zu einem offenen, barrierefreien Ort für Kunst und gesellschaftlichen Dialog. Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner bezeichnete den Beschluss als wichtigen Meilenstein für die kulturelle Zukunft der Kongresshalle und hob die Verbindung von Freien Szenen und Staatstheater hervor. Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich nannte den Entwurf einen sensiblen und zugleich modernen Umgang mit dem historischen Bestand und verwies auf positive Erfahrungen aus dem Neubau im Innenhof.

Geschichte des Ortes und künftige Nutzung

Die Kongresshalle ist ein unvollendetes Monumentalbauwerk aus der Zeit des Nationalsozialismus. Mit einer Grundfläche von 275 mal 265 Metern und einer Höhe von 40 Metern zählt der Rohbau zu den größten baulichen Hinterlassenschaften dieser Epoche. Die Arbeiten wurden mit Kriegsbeginn 1939 weitgehend eingestellt. Seit 1973 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.

Nach dem Krieg wurde das Gebäude vielseitig genutzt, unter anderem als Depot der US Armee, als Ausstellungsort und lange Zeit als Warenlager des Versandhauses Quelle. In den Kopfbauten sind seit Jahrzehnten kulturelle Nutzungen etabliert: Die Nürnberger Symphoniker nutzen Räume seit 1962, und 2001 wurde im nördlichen Kopfbau das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände eröffnet.

Die Stadt verfolgt seit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 das Ziel, Teile der bislang wenig genutzten Flächen als Ermöglichungsräume für Kunst und Kultur zu öffnen. Auf mehr als 7 000 Quadratmetern sollen Ateliers, Studiobühnen, Ausstellungsflächen und Proberäume entstehen. Bund und Freistaat Bayern unterstützen das Vorhaben, das neben einem neuen Theaterraum auch Orte für Diskurs, Bildung und Auseinandersetzung mit der Geschichte bieten soll.

Der Stadtratsbeschluss fiel mit sehr großer Mehrheit. Mit Beginn der Arbeiten am Bestand wird nun die Umwandlung eines historischen Rohbaus in eine multifunktionale Kulturstätte konkret umgesetzt.

Quelle anzeigen

label

Weiterlesen

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Aktuelles