Dienstag, 03.02.2026

Zwei Ferkel in Nürnberg geboren und Teil einer Reservepopulation für stark gefährdete Pekaris

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Im Tiergarten der Stadt Nürnberg sind am 19. Januar 2026 zwei Jungtiere der Chaco Pekaris Catagonus wagneri zur Welt gekommen. Die Ferkel erkundeten nach der Geburt kurz mit der Gruppe das Gehege. Das Geschlecht der Jungtiere ist noch nicht bestimmt worden.

Geburt und Haltung in Nürnberg

Tierpfleger berichten, die beiden Tiere seien fit und neugierig. Sie lassen sich inzwischen regelmäßig in den beheizten Stall führen, was angesichts der aktuellen Temperaturen wichtig sei, so Steffen Luther vom Tiergarten. Neben der Mutter Bibi kümmere sich ein zweites Weibchen fürsorglich um den Nachwuchs und säugt die Ferkel, obwohl es selbst keinen eigenen Wurf habe. Das Team beobachte die Gruppe weiterhin, um die Entwicklung und das Sozialverhalten zu dokumentieren.

Der Tiergarten hält Chaco Pekaris seit Juni 2023. Im vergangenen Jahr wurden erstmals Jungtiere erfolgreich aufgezogen. Aktuell leben in Nürnberg neun Tiere dieser Art, drei adulte und sechs Jungtiere.

Lebensraum, Gefährdung und Forschungsarbeit

In freier Wildbahn sind Chaco Pekaris nur in einem kleinen Grenzgebiet Argentiniens, Boliviens und Paraguays zu finden. Sie bewohnen Trockenwälder und Dornstrauchsavannen und übernehmen dort ökologisch relevante Aufgaben. Durch Verbreitung von Samen mit ihrem Kot und durch das Anlegen von Wanderwegen tragen sie zur Struktur und Regeneration des Lebensraums bei.

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art als stark gefährdet ein. Hauptursache für den Rückgang sind großflächige Verluste ihres Lebensraums. Untersuchungen zeigen, dass außerhalb geschützter Gebiete die Art bis 2051 lokal verschwinden könnte, wenn die Zerstörung der Trockenwälder nicht gestoppt wird.

Jörg Beckmann, stellvertretender Direktor und Biologischer Leiter des Tiergartens, betont die Bedeutung der Haltung und Zucht in menschlicher Obhut. Er bezeichnet jedes Jungtier als wichtigen Baustein beim Aufbau einer stabilen Reservepopulation. Der Tiergarten beteiligt sich an dem EAZA Ex situ Programme, einem koordinierten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, und unterstützt Forschungsprojekte zur Art.

Bedeutung des Nachwuchses für Sozialstruktur und Artenschutz

Neben genetischen und gesundheitlichen Aspekten haben Jungtiere eine wichtige Rolle für das Sozialleben der Pekaris. Partnerwahl, Paarung, Geburten und Aufzuchten formen das Gruppengefüge und beeinflussen langfristig die Fortpflanzungsfähigkeit. Der Tiergarten gibt an, den Tieren natürliche Verhaltensweisen ermöglichen zu wollen, um eine sozial stabile und gesunde Gruppe zu erhalten.

Weltweit leben derzeit rund 70 Chaco Pekaris in elf EAZA Zoos. Sollte sich die Gefährdungslage künftig entspannen und die IUCN Kriterien dies erlauben, könnten Tiere aus solchen Beständen nach sorgfältiger Prüfung wieder ausgewildert werden.

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